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15.10.2019 : 18:35

Ausführliche Meldung

Masurische Pilgerreise auf Inlineskatern

"40 Tage für 70 Jahre": Johann Jotzo wandert und rollt zu Gunsten des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) in seine frühere Heimat.

Auf große Pilgerreise in seine 1600 Kilometer entfernte masurische Heimat läuft und skatet Johann Jotzo. Der Erlös der 40 Tage dauernden Wanderung geht an die Jugendarbeit des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM).

MAINZ. Als Brückenbauer zwischen Alt und Jung, Krank und Gesund sowie Arm und Reich sieht sich Johann Jotzo. "Mein Leben besteht aus vielen kleinen und großen Geschenken", sagt der 69-jährige bekennende Christ, der nun die Zeit gekommen sieht, zurückzugeben. Unter dem Motto "40 Tage für 70 Jahre" startet er am 30. April von Mainz aus zu Fuß und per Inlineskater eine 40-tägige Pilgerreise in sein polnisches Heimatdorf Funken (Ostpreußen). Dort will er gemeinsam mit seinen früheren Schulkameraden Herbert und Artur am Pfingstsonntag, 8. Juni, seinen 70. Geburtstagfeiern.

"Das ganze Dorf freut sich auf meinen Besuch", erklärte Jotzo. Und das aus gutem Grund: Alle vier bis sechs Wochen schickt der Hechtsheimer Hilfspakete in seine Heimat, um die Not leidende Bevölkerung zu unterstützen. Daran beteiligt sich die ganze Nachbarschaft. Neben einer Vielzahl von Kleidungsstücken können so regelmäßig auch technische Geräte wie Fernseher und Computer an die masurische Seenplatte geschickt werden.

50 000 Euro Stiftungskapital

Doch der 69-jährige gelernte Landwirtschaftsmeister, der bis zu seiner Pensionierung als Sachbearbeiter im Landwirtschaftsministerium arbeitete, hilft nicht nur in Ostpreußen gerne: In Mainz hat er vier CVJMs (Christlicher Verein Junger Menschen) gegründet. Die 1995 ins Leben gerufene Johann-Jotzo-Stiftung unterstützt die CVJM-Jugendarbeit, Dank zahlreicher Spenden kam ein Stiftungskapital von nahezu 50 000 Euro zusammen. Auch der Erlös der Pilgerreise kommt den Mainzer CVJMs zugute.

Wenn Johann Jotzo von seiner Jugendzeit erzählt, kommen ihm die Tränen. Dann überwältigen ihn die Erinnerungen an die nach 1945 erlebten Foltern und Gewalttaten. Bei der ersten Flucht 1945 von Ostpreußen nach Mecklenburg-Vorpommern war er als 11-Jähriger sieben Wochen auf der Straße. 1952 folgte die zweite Flucht, nach Bremen.

"In dieser Zeit bin ich mehrmals dem Tod knapp von der Schippe gesprungen", blickt er zurück. Dann, in seiner Ausbildungszeit, 1958, der nächste Schock: Von der Arbeit als landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter bekam er ein schlimmes Rückenleiden, "Mit 50 sitzen Sie im Rollstuhl", prognostizierte damals die Orthopädische Klinik in Landau.

35 tägliche Übungen

Doch Jotzo kämpfte sich zurück. 35 tägliche Übungen helfen ihm heute, sich schmerzfrei zu bewegen. Inlineskaten gehört dazu. Kein Wunder also, dass er einen Teil der 1600 Kilometer auf Skatern zurücklegen will. Ein großer Stock dient ihm als zusätzliche Bremse. Bei der viertägigen Probetour vergangenen Herbst in Thüringen bekam er einen Vorgeschmack, was ihn im April und Mai so erwartet. Mit Scheibenwischer-Bewegungen machten etliche Autofahrer deutlich, was sie von einem Senior auf Inlineskatern im Straßenverkehr halten.

Aber Jotzo lässt sich nicht entmutigen, denkt an seine masurische Heimat und seinen CVJM und will zugleich Vorbild für andere erkrankte Menschen sein. Ein Pilgergeleitbrief von Kardinal Karl Lehmann wird dem Hechtsheimer, der für sein ehrenamtliches Engagement im Bundestag geehrt wurde, bei der Suche nach Ubernachtungsmöglichkeiten helfen. Und vielleicht steht für Jotzo am Ende ein Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde an: Ein Antrag als Rekordversuch wurde angenommen.

Oliver Gehrig

19.03.2003 09:00 Alter: 17 Jahre